Das sechzehnte Jahrhundert: das "Lebenswasser" gegen den Tod

Als sich im 16. Jahrhundert die Geißel der Pest ausbreitete, begannen die Ärzte, starke alkoholische Getränke zu verschreiben, die den Kranken ein vorübergehendes Gefühl des Wohlbefindens vermittelten. Mit der Höhe der Dosen hätte ein Toter zu neuem Leben erweckt werden können, wobei sie Erwachsenen und Kindern gleichermaßen verabreicht wurden.

"Das perfekte Wasser zur Heilung bei Pest und Würmern. Einem Mann gibt man ein Viertel, einem Halbwüchsigen ein halbes Viertel, einem Kind ein Achtel. Nimm einen halben Krug Schnaps, in den du die nachstehenden Dinge gibst: Enzian, Tormentill, Diptam, Silberdistel jeweils eine halbe Unze, gekochten und abgeschäumten Honig nach Ermessen, und verabreiche dies".
Rezept aus den "Experimenten" von Caterina de' Medici.

"Nehmt ein Seidel und füllt es zu einem Drittel mit feinem Theriak, zu einem Drittel mit Schnaps und zu einem Drittel mit dem Wasser eines jungfräulichen und gesunden Kindes, vermischt dies und gebt dem Kranken an drei Morgen jeweils ein Seidel davon auf nüchternen Magen zu trinken. Und so wurde es im Jahr 1504 in der ehrwürdigen Stadt Venedig von Mattio Calegaro ausprobiert, der in Santa Sofia wohnte und es an sich selbst und an seiner Frau versuchte."
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Während der schrecklichen Pestepidemie, die im Jahr 1630 den Norden Italiens heimsuchte, experimentierte man mit vielerlei Rezepten.

"Nehmt bei Verdacht auf Pest drei Spitzen Raute, eine Walnuss, eine getrocknete Feige. Gebt alles für drei Stunden in ein halbes Glas Schnaps und trinkt es dann."

"Nehmt den Kot eines zehn bis zwölf Jahre alten Jungen, nicht älter; lasst ihn trocknen und stellt ein Pulver daraus her, das ihr dann so anwendet: Nicht mehr als zwei Löffel davon in ein Glas Schnaps geben und vermischen... dies sah man bei mehreren sehr erfahrenen Personen."

"Nehmt eine weiße Gemüsezwiebel und stellt daraus einen Saft mit Äpfeln und Essig und Raute- und Schafgarbesaft zu gleichen Teilen her, mischt und gebt dem Patienten zwei Drittel davon in einem halben Seidel Schnaps zu trinken, heiß und innerhalb von sechs Stunden, während er gut zugedeckt im Bett liegt, damit er schwitzt."

"... der Magen und der Kopf sollten sauber gehalten werden... man sollte stets Gerüche und Düfte am Körper und so wenig Wollsachen wie möglich tragen, weil sie Krankheitsträger sind. Am Abend, wenn ihr zu Bett geht, ist wärmstens anzuraten, sich mit etwas Quellwasser zu waschen, und besser noch ein Seidel guten Schnapses zu trinken..." 
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